Patientenberichtete und klinische Endpunkte

 

Ein Eckpfeiler für eine menschenorientierte  Gesundheitsforschung und die klinische Praxis ist die Verfügbarkeit von zuverlässigen Messinstrumenten, oftmals Fragebögen. Grundsätzlich wird dabei zwischen Patientenberichteten und klinischen Endpunkten unterschieden. Patientenberichtete Endpunkte ermöglichen es Wissenschaftler*innen sowie Ärztinnen und Ärzten, Patient*innen und in einigen Fällen auch deren Angehörige strukturiert zu befragen, z. B. wie sich ihre Krankheit auf verschiedene Aspekte des Lebens auswirkt, was sie von der Behandlung erwarten oder welche Auswirkungen eine bestimmte Therapie hat. Klinische Messinstrumente sind Hilfsmittel für die Angehörigen der Gesundheitsberufe, um beispielsweise den Schweregrad der Krankheit zu bestimmen. Solche Instrumente sind entscheidend, um die Behandlung auf den Einzelnen zuzuschneiden.

 

Die Entwicklung, Bewertung der psychometrischen Eigenschaften1 und Verbesserung solcher patientenbezogenen und klinischen Ergebnismessungen ist ein Schwerpunkt unserer Forschungsgruppe. Nachstehend finden Sie einen Überblick über unsere Arbeiten in diesem Bereich.

 

1 Zu den psychometrischen Eigenschaften von Messinstrumenten gehören ihre Validität ("Misst das Instrument tatsächlich, was wir glauben, dass es misst?", "Wie gut sagt es bestimmte gesundheitliche Ergebnisse voraus?") und ihre Zuverlässigkeit ("Wie konsistent sind die Ergebnisse im Zeitverlauf oder zwischen verschiedenen klinischen Prüfern?"). Wir können nur dann mit Sicherheit Schlussfolgerungen ziehen, wenn wir wissen, dass das verwendete Instrument valide und zuverlässig ist.

patient reported

Laufende Projekte:

Hintergrund: Die Belastung durch dermatologische Erkrankungen wird systematisch unterschätzt, und es gibt wenig Anreize für politische Entscheidungsträger, sie als ernsthafte Krankheiten zu behandeln. Um diese Benachteiligung zu überwinden, hat die International Alliance of Dermatology Patient Organizations (auch bekannt als GlobalSkin) das Projekt Global Research on the Impact of Dermatological Diseases (GRIDD) ins Leben gerufen, das erste von Patient*innen initiierte und geleitete Projekt zur Wirkungsforschung in der Dermatologie. Dieses mehrjährige, mehrphasige globale Forschungs- und Interessenvertretungsprojekt zielt darauf ab, ein einzigartiges Maß für die Auswirkungen dermatologischer Erkrankungen auf das Leben der Patient*innen zu entwickeln und routinemäßig anzuwenden - das PRIDD-Instrument (Patient-Reported Impact of Dermatological Diseases); und (2) globale Daten über die Sicht der Patient*innen auf die Krankheitslast bei verschiedenen Hauterkrankungen zu sammeln. Diese Daten werden die lokale, nationale und internationale Interessenvertretungsarbeit unterstützen, um dermatologischen Erkrankungen in der globalen Gesundheitsdebatte eine höhere Priorität einzuräumen.

 

Zielsetzung:

  • Sammlung globaler Daten über die Auswirkungen dermatologischer Erkrankungen auf das Leben der Patient*innen unter Verwendung des PRIDD-Instruments

  • Untersuchung der Beziehung zwischen der Krankheitslast und anderen relevanten Variablen

  • Abschluss der psychometrischen Tests und Bestimmung der minimalen wichtigen Veränderung (MIC) des englischen Original-PRIDD

  • Prüfung der psychometrischen Eigenschaften der 16 kulturübergreifenden Übersetzungen von PRIDD

 

Studiendesign: Längsschnittstudie bestehend aus zwei Online-Umfragen im Abstand von sechs Wochen

 

Zielgruppe: Erwachsene (≥ 18 Jahre) mit einer selbstberichteten Hauterkrankung

 

Laufzeit: 2023 - 2024

 

Sponsor: The International Alliance of Dermatology Patient Organizations (GlobalSkin)

Hintergrund: Säuglinge und Kleinkinder stellen eine wichtige Population für juvenile Dermatosen dar, dennoch stand diese Altersgruppe bisher nicht im Fokus der Lebensqualitätsforschung. Um die spezifische Situation betroffener Kinder und ihrer Familien besser zu verstehen, wurde in sieben Ländern ein hautspezifischer Fragebogen zur Lebensqualität (InToDerm-QoL) nach der von der Task Force Lebensqualität der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) beschriebenen Methodik entwickelt.

 

Zielsetzung:

  • Psychometrische Validierung der deutschen Übersetzung des InToDerm-QoL-Fragebogens.

  • Bewertung der Lebensqualität in Familien mit Säuglingen oder Kindern, die von einer Hauterkrankung betroffen sind.

 

Studiendesign: Querschnittstudie, nicht-interventionell

 

Zielgruppe: Familien von Kindern im Alter von 0 - 4 Jahren mit akuter oder chronischer Hauterkrankung

 

Laufzeit: Juni 2021 – Dezember 2022

 

Sponsor: Eli Lilly

Abgeschlossene Projekte:

Hintergrund: Menschen mit chronischen Wunden haben oftmals eine verringerte gesundheitsbezogene Lebensqualität (QoL). Zu den körperlichen Beeinträchtigungen zählen häufig Schmerzen, Juckreiz, Unbehagen, unfreiwillige körperliche Inaktivität und die Verschlimmerung anderer Gesundheitsprobleme. Darüber hinaus beeinträchtigen Gefühle von Frustration, Angst, Verlegenheit, sozialer Isolation, Depression und geringem Selbstwertgefühl aufgrund eines negativen Selbstkonzepts das soziale und emotionale Wohlbefinden. Außerdem können die Patient*innen das Vertrauen gegenüber Angehörigen der Gesundheitsberufe verlieren und sich hinsichtlich der Behandlungsfortschritte entmutigt und frustriert fühlen. Um die gesundheitsbezogene Lebensqualität in dieser Patientengruppe zu messen und in der Behandlung zu berücksichtigen, werden valide Instrumente benötigt. Daher wurde der Wound-QoL-Fragebogen ursprünglich in Deutschland entwickelt und psychometrisch validiert.

 

Zielsetzung:

  • Psychometrische Validierung verschiedener Sprachversionen (Deutsch, US-Englisch, Spanisch) des Wound-QoL-Fragebogens.

  • Testen der interkulturellen Struktur und psychometrischen Qualität des Fragebogens.

  • Ermittlung des kleinsten klinisch bedeutsamen Unterschieds (minimal important difference; MID) des Wound-QoL-Fragebogens und seiner Unterskalen. 

 

Studiendesign:

  • Querschnittstudie
  • nicht-interventionell

 

Zielgruppe: Erwachsene mit chronischen Wunden, Angehörige von Patient*innen

 

Abgeschlossen: 2021

 

Publikationen:

  • Development and psychometric evaluation of the U.S. English Wound-QoL questionnaire to assess health-related quality of life in

  • people with chronic wounds

  • Assessing the quality of life of people with chronic wounds by using the cross-culturally valid and revised Wound-QoL questionnaire

  • Determining the Minimal Important Difference for the Wound-QoL Questionnaire

  • Validation of the Spanish Wound-QoL Questionnaire

  • Differences between patient- and proxy-reported HRQoL using the Wound-QoL

  • The Wound-QoL questionnaire on quality of life in chronic wounds is highly reliable

Hintergrund: Xerosis cutis (trockene Haut) ist ein häufiges, aber unspezifisches Symptom vieler Hautkrankheiten, das Betroffene belastet und sogar zu einem Verlust an Lebensqualität führen kann. Bislang wurden keine spezifischen Instrumente zur Quantifizierung der Xerose veröffentlicht, die über einfache lineare Skalen hinausgehen.

 

Zielsetzung:

  • Entwicklung und Validierung eines Messinstruments für die Bewertung des Ausmaßes (betroffene Fläche) und des Schweregrads der Xerosis in der klinischen Praxis und Forschung.

 

Studiendesign: 

  • Literaturübersicht

  • Nicht-interventionell

  • Explorativ

 

Zielgruppe: Personen mit Xerosis cutis (n = 86) und ohne Xerosis cutis (n = 41)

 

Abgeschlossen: 2021

 

Publikationen:

Development and validation of an outcome instrument measuring dry skin - the Xerosis Area and Severity Index (XASI)